Schäßburg

Christian Hügel    26. März 2013    Kommentare deaktiviert für Schäßburg

Schäßburg Der außerordentliche Errfolg der rumänischen Fassung des Buches von 2004 hat das Demokratische Forum der Deutschen in Schäßburg veranlasst, nun auch die deutsche Fassung herauszugeben, um das Schäßburgbild endgültig für eine breite Leserschaft geradezurücken.

Wir wissen, daß Schäßburg über viele Jahrhunderte eine sächsische Stadt war, und fühlen uns vom Autor voll und ganz bestätigt. Seine Monographie breitet uns nicht nur das gesamte Panorama der Stadtgeschichte aus, sondern bettet es organisch in die Siedlungsgeschichte der Sachsen in Südsiebenbürgen und die Geschichte der sächsischen Nationsuniversität ein, innerhalb derer Schäßburg als einer der sieben Stühle eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Korrekterweise berücksichtigt er nicht nur die sächsische Geschichte der Stadt, sondern arbeitet auch die Rolle der Szekler in der vorsächsischen Zeit und die Rolle der rumänischen Streusiedlungen in der Umgebung der Stadt heraus. Daher auch der dreinamige Titel des Buches!

Es ist das große Verdienst des Autors über das gründliche Quellenstudium hinaus die gesamte einschlägige Literatur bis zur Gegenwart verarbeitet zu haben. Dort, wo Widersprüche oder Hypothesen auftauchten, ohne daß aufgrund lückenhafter Quellenlage Klarheit geschaffen werden konnte, hat er sie referiert und kommentarlos stehenlassen. Methodisch geht Baltag sowohl chronologisch als auch systematisch vor, ein Mischverfahren, das er meisterhaft beherrscht.

Wir erfahren von der Stadtgründung bis zum Jahre 1945 alle wichtigen Ereignisse und Abläufe, sachlich und gründlich aufbereitet.

Zur Episode der Anwesenheit Vlad Draculs in Schäßburg stellt er fest, daß seine Anwesenheit in der Stadt außer Zweifel steht, daß aber weder die genaue Zeitspanne seiner Anwesenheit noch der genaue Ort nachweisbar sind. Daß Vlad Tepes in Schäßburg geboren sein soll, verweist er zu recht in das Reich der Spekulation.

Wir erfahren aber auch, wie Schäßburg regiert, verwaltet und verteidigt wurde, und wie in der Stadt gewirtschaftet, produziert und Handel betrieben wurde, kurz, die gesamte Gesellschaft der Stadt in ihrer typischen sächsischen Eigentümlichkeit wird im Wandel der Zeit illustriert. Akribisch trägt er dann die kulturellen Institutionen und Aktivitäten der Sachsen und später auch der Rumänen, die unterdessen zur Mehrheitsbevölkerung wurden, und der Ungarn zusammen.

Von außerordentlichem Wert ist seine ausführliche Beschreibung der umfangreichen Sakral- und Profanbauten, sowie der gesamten Befestigungsanlage und ihrer Geschichte. Hierbei bedient er sich der umfangreichen Literatur, ohne gelegentliche Kontroversen zu verschweigen. Zumindest dieser Teil des Buches gehört in die Hand jeden Fremdenführers!

Dr. Baltag, der bereits mit seinem Buch „Sighisoara inainte de Sighisoara“ große Beachtung gefunden hat, hat kein apologetisches Werk verfaßt. Großartige historische Leistungen unserer Vorfahren nennt er ebenso beim Namen wie dunkle und abstoßende Facetten der Schäßburger Geschichte. Möge das Werk eine weite Verbreitung finden!